Weine aus Österreich

Weine aus unserem östlichen Nachbarland Österreich sind in Schweizer Kellern nicht allzu weit verbreitet. Sehr zu Unrecht, wie die interessierte zünftige Höngger Weinprobe-Gesellschaft an ihrer diesjährigen Weinprobe im Zweifel-Fasskeller an der Regensdorferstrasse konstatieren durfte.

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Stubenmeister Beat Schmid eröffnet die Weinprobe 2016 mit der Verlesung der zehn Höngger Weinprobe-Regeln

Zugegeben: Der Berichterstatter hat seit dem österreichischen Glykol-Skandal 1985 – obschon dieser rasch schon mit einem der strengsten Weingesetze der Welt korrigiert wurde – bis heute kaum mehr österreichischen Wein getrunken, es sei denn, der Konsum sei pharmazeutisch notwendig gewesen. Und die einleitenden kritischen Worte des Zunftmeisters Daniel Fontolliet an der diesjährigen Weinprobe liessen auch keine zwischenzeitliche Besserung erahnen. Doch was am Abend kredenzt wurde, hat alle bösen Vorahnungen Lügen gestraft (vgl. auch die persönliche Fussnote des Berichterstatters am Artikel-Ende).

Und so präsentiert sich das önologische Österreich heute: Seine Weine werden in diversen Regionen angebaut, die sich seit der 1999 implementierten Weingesetz-Novelle international als vier Weinregionen, eingeteilt in 19 Weinbaugebiete, darstellen dürfen:

  • Weinland Österreich (Niederösterreich und Burgenland)
  • Weinbaugebiet Steiermark
  • Weinbaugebiet Wien
  • Bergland Österreich (Oberösterreich, Salzburg, Kärnten, Tirol und Vorarlberg).

Rund 20‘000 Betriebe produzieren darin auf einer Anbaufläche von total ca. 45‘000 ha durchschnittlich ca. 2.5 Mio Hektoliter Wein pro Jahr. Produziert werden rund 75% Weisswein und 25% Rotwein (Tendenz bei letzterem steigend). Leitsorten sind mit 36% der Grüne Veltliner und bei den Rotweinen der typisch österreichische Zweigelt (9%).

Die Fachreferenten: Josef Weinmeyer, Geschäftsführer der Domänen Wilfersdorf und Vaduz des Fürsten von Liechtenstein, und Walter Zweifel, zünftiger Statthalter und Weinfachmann aus Beruf und Leidenschaft

Gekonnt, mit enormem Wissen und sehr viel Herzblut durch die Weine des Weinlands Österreich führten Josef Weinmeyer, der Leiter der fürstlich-Liechtensteinischen Domänen Wilfersdorf und Vaduz, und der Höngger Zunftstatthalter Walter Zweifel, der es schon seit vielen Jahren versteht, an der Höngger Weinprobe den Zünftern alle Weinbaugebiete der Welt näher zu bringen. Wie an allen Weinproben der Zunft Höngg der Brauch, wurden die verschiedenen Weine in ein darauf abgestimmtes Menu eingebettet, welches auch dieses Jahr wieder von der Firma CHa Gourmet Catering (Bienengarten Dielsdorf) gezaubert wurde.

Höngger Zunftwein 2016

Auch dieses Jahr stammt der Wein, welchen die Zunft an ihren kommenden Hauptanlässen bis Sechseläuten 2017 geniessen wird, aus dem zunfteigenen, von der Rebbaugruppe der Zunft im Rebberg Klingen kultivierten Rebbestand von gut 250 Weinstöcken. Rebbaugruppen-Mitglied und –Mitbegründer Fritz Meier stellte dem Höngger Zunftmeister Daniel Fontolliet gekonnt und mit der geschliffenen Zunge, welche ihn als ehemaligen Zunftmeister schon zu seinen Amtszeiten geprägt hatte, den zunfteigenen Klingener Clevner des Jahrgangs 2014 als neuen Zunftwein vor: Etwas herb im Bouquet und noch etwas jung, aber mit guten Anlagen für einen feinen Tropfen, der dem Zünfter im aktuellen und nächsten Zunftjahr sehr gut munden wird.

Zunftmeisterliche Rededuelle

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Der Höngger Zunftmeister Daniel Fontolliet mit seinen zünftigen Weinprobe-Ehrengästen (v.l.n.r.): Statthalter Lorenz Borer und Zunftmeister Rolf A. Siegenthaler (Oberstrass) und Zunftmeister Ruedi Vontobel und Schreiber Peter Christen (St. Niklaus) …

Als Ehrengäste hatte Zunftmeister Daniel Fontolliet wieder Rhetorik-erprobte Zunftmeisterkollegen zur Weinprobe geladen: Rolf A. Siegenthaler von der Zunft zu Oberstrass, begleitet von seinem Statthalter Lorenz Borer, und Ruedi Vontobel von der Zunft St. Niklaus, begleitet von seinem Schreiber Peter Christen. Gewohnt witzig stellte der der Weinprobe-Gesellschaft seine Ehrengäste vor, und diese replizierten, wie man es von Zunftmeistern erwarten kann: Auf rhetorisch hohem Niveau, immer wieder unterbrochen von Gelächter und Applaus der Anwesenden.

… und beim zunftmeisterlichen Rededuell.

*) Vom Saulus zum Paulus: Der Berichterstatter hat zwischenzeitlich önologisch in den Ferien im Tirol nachgeholt. Was da an Weinen auch ausserhalb der typischen österreichischen «Normal-Gewächse» an- und ausgebaut wird, muss den Vergleich mit anderen auf dem internationalen Markt erhältlichen Weinen nicht scheuen: Mit reichem Bouquet, interessant und gehaltvoll für Nase, Gaumen und Kehle. Es werden nicht die letzten Österreicher sein, die er genossen hat!
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Ueli Friedländer (Text)

Ueli Friedländer (Text)

Markus Spalinger (Fotos)

Markus Spalinger (Fotos)