Sechseläuten 2014

Sie waren ganz klar die Stars des diesjährigen Sechseläutens 2014: Der neugestaltete Sechseläutenplatz, der Hafenkran beim Rathaus – geliebt von den einen, geschmäht von den anderen – und der Böögg, der dieses Jahr so wider jegliche Vernunft trotz Dauerregens und völlig durchnässtem Holzstoss bereits um 18:07:24 Uhr kapitulierte. 2014 Sechseläuten Zunftmeister und Gäste

Zunftmeister Daniel Fontolliet mit seinen Gästen (v.l.n.r.) Matthias Hüppi, Nayla Stössel, Florence Schelling,
Pia Truffer, Kathrin Zehnder-Hatt, Pepe Lienhard, Heinz Wahrenberger und Pius Truffer.
Ganz links und rechts die Alt-Zunftmeister Peter Aisslinger, Hansheiri Zweifel, Hans-Peter Stutz und Fritz Meier.

Pünktlich um 10:30 Uhr war es soweit: Der Höngger Zunftmeister Daniel Fontolliet geleitete seine Ehrenäste und die offiziellen Gäste der Zunft unter Applaus in den bis zum letzten Platz vollen und festlich geschmückten Mülihalde- / Desperado-Saal und eröffnete damit das offizielle Höngger Sechseläuten 2014.

Als Ehrengäste konnte er im Verlauf des Mittagessens detailliert und gewohnt witzig vorstellen:

  • Pia und Pius Truffer, Truffer AG, Vals. Aus ihrem Steinbruch stammen die 110‘000 Valser Granitblöcke, welche den parkettähnlichen Belag des neuen Sechseläutenplatzes bilden und ihn damit als herausragendstes Juwel unter allen Schweizer Monumental-Stadtplätzen definieren. Je einen dieser Quader für jede Zürcher Zunft haben die Truffers aus aktuellem Anlass aus dem Bünderland mitgebracht und durch Vertreter der Zunft Höngg allen Zunftmeistern zustellen lassen.

 2014Sechseläuten Zunftmeister mit GranitblockGewichtiges Geschenk aus Vals: Zunftmeister Daniel Fontolliet stemmt „seinen“ Valser Granitquader.
(Neben ihm v.l.n.r.: Pia Truffer, Pepe Lienhard, Statthalter Walter Zweifel, Matthias Hüppi, Vorsteher Thomas Schönbächler und Florence Schelling)

  • Florence Schelling, Torhüterin des Schweizer Damen-Eishockey-Nationalteams, welches sich an den diesjährigen Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi die Bronzemedaille erkämpft hatte nicht zuletzt dank Florence Schellings total 224 gehaltenen Schüssen, wofür ihr der Titel des „Most Valuable Player“ ihrer Mannschaftssportart verliehen wurde. Sie ist die Tochter des überaus stolzen Höngger Zünfters und Alt-Säckelmeisters Beat Schelling und nahm bereits als Zünfterkind am Sechseläuten teil.
  • Pepe Lienhard, Musiker und Big-Band-Leader.
  • Matthias Hüppi, Sportreporter beim Schweizer Fernsehen seit 1981.

Als persönliche Gäste der Zunft eingeladen waren Kathrin Zehnder-Hatt, Vorstandsmitglied des Zentralkomitee der Zünfte Zürichs und verantwortlich für den Ticketverkauf, Nayla Stössel, letztjähriger Ehrengast der Zunft und dieses Jahr als Reiterin in Kleinjogg-Kostüm dabei, und „Böögge-Vatter“ Heinz Wahrenberger, der dieses Jahr seinen 49. Böögg gebaut hat und auch noch den fünfzigsten selber bauen wird, bevor er die Buchbinderschere und den Kleisterpinsel seinem Nachfolger Lukas Meier vollamtlich übergeben wird.

2014 Sechseläuten Zunftmeister Hüppi

Matthias Hüppi: Rhetorisch brillante Ode in Versform an Höngg, die Höngger und ihre Eigenheiten …

 2014 Sechseläuten Kinderdelegation Schwamendingen

Besuch auf der Höngger Stube: Eine Kinderdelegation aus Schwamendingen

2014 Sechseläuten Pepe Lienhard und Zunftspiel

Platzkonzert vor der Mülihalde: Pepe Lienhard dirigiert das Höngger Zunftspiel „Musikverein Zürich-Höngg“

Der Zug der Zünfte zum Böögg

2014 Sechseläuten Apo Bruehl Zunft Hafenkran

Der Zug der Zunft Höngg zum Böögg (mit Hafenkran):
Schaufenster-Ausstellung 2014 der Apotheke im Brühl an der Regensdorferstrasse 18

Im Zug der Zünfte marschierte die Zunft Höngg an 16. Stelle zwischen der Zunft zur Schneidern und der Zunft St. Niklaus, angeführt von ihrer Reitergruppe, musikalisch angeheizt von ihrem Zunftspiel, dem Musikverein Zürich-Höngg, und angefeuert von Tausenden von fröhlichen Zuschauern, dies sich den tollen Tag vom Dauerregen nicht vergällen liessen, via Bahnhofstrasse und Limmatquai am diesjährigen Wahrzeichen der Stadt, dem Hafenkran, vorbei zum Sechseläutenplatz, der sich erstmals in neuem Glanz präsentieren durfte.

2014 Sechseläuten Pferde-KopfschmuckEbenfalls erstmals in neuem Glanz:
Die Pferde der Reitergruppe mit der neuen Hönggerwappen-verzierten Fliegenhaube,
gestiftet von Kathrin Zehnder-Hatt (persönlicher Gast der Zunft 2014) und Anne-Catherine Hatt (persönlicher Gast der Zunft 2013)

Was lange währt … ! Der neue Sechseläutenplatz mit dem Granitplatten-Belag aus dem Valser Steinbruch des Höngger Ehrengäste-Paars Pia und Pius Truffer begeisterte alle, und die Zürcher Bevölkerung, welche sich am Nachmittag trotz strömendem Regen die Freude am traditionellen Frühjahrsfest nicht hatte vermiesen lassen, nahm den Platz am späteren Abend beim traditionellen „Bräteln“ ums Feuer herum endgültig in Besitz.

„You only live twice“ – so des Bööggs persönliches diesjähriges Motto. Und wer zweimal lebt, stirbt auch zweimal: Nachdem die Medien ihre Aufzeichnungen in Slow-Motion wiederholt vor- und zurückgespult hatten, stand für sie fest: 18:07:24 Uhr sei mit seinem Tod der offizielle Sommerbeginn markiert. Doch Bööggbauer Heinz Wahrenberger, vom Berichterstatter zu vorgerückter Abendstunde darauf angesprochen, widerspricht: „Böögg tot“ sei erst dann, wenn der Kopf die Schultern vollständig verlassen habe – unabhängig davon, ob durch Kracher gesprengt oder heruntergefallen. Und damit sei der Böögg erst exakt zwei Minuten später, nämlich um 18:09:24 Uhr, korrekt gestorben, als das kracherfreie Reststück des Kopfes so sang- und klanglos von der Stange gefallen sei.

Sei’s drum: In beiden Fällen prognostiziert das Zürcher Böögg-Orakel mit seiner sehr kurzen Brenndauer einen angenehmen Sommer!

Auszug am Abend

Nach dem Nachtessen im «Au Premier» des Bahnhoffbuffets Zürich besuchte der Zunft-Auszug die Zunft Riesbach, wo der Höngger Sprecher Urs Zweifel dem Riesbächler Zunftmeister Niels Walt dessen Exemplar des Valser Granitquaders persönlich aushändigte und einen Reben-Setzling überreichte, den dieser unter kundiger Anleitung sogleich in den mitgebrachten Topf pflanzen musste.

2014_Sechselaeuten_Auszug_Riesbach

Anschliessend folgten die Zunft zum Widder (Sprecher: Jean-Pierre Grossmann) und die Zunft St. Niklaus (Sprecher: René Steiner), deren Zunftmeister ebenfalls mit einem Granitquader beglückt wurden, während der Höngger Zunftmeister von den Auszügen von Drei Königen, Widder und Hard auf der eigenen Stube im Bahnhofbuffet heimgesucht wurde und sich deren Sprechern stellen durfte.

Text: Ueli Friedländer
Fotos: Markus Spalinger, Michael Hilti, Ueli Friedländer