Sechseläuten 2009

Das Jubiläums-Sechseläuten

„Vergangenheit feiern – Zukunft leben“: So lautet das Motto der Zunft Höngg zu ihrem 75-Jahr-Jubiläum. Und dieses Wochenende war „Vergangenheit feiern“ angesagt: Zum 75. Mal nahm die Höngger Zunft am Sechseläuten teil, und der Wettergott feierte „zöiftig“ mit und zeigte sich von seiner freundlichsten Seite.

Auftakt im Quartier

Bereits ab 10:30 Uhr hatte sich die Höngger Zunftfestgesellschaft im grossen Mülihalde-Saal zum Apéro versammelt und konnte den Auftakt zum diesjährigen Jubiläums-Frühlingsfest kaum erwarten. Und endlich war es soweit: Schlag 11 Uhr markierten Fanfarenklänge im grossen Mülihalde-Saal den Einzug des Zunftmeisters Hans-Peter B. Stutz und seiner Ehrengäste:

  • Robert Schönbächler, Friedensrichter und 1. Vizepräsident des Gemeinderats Zürich
  • Prof. Dr. Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich
  • Andres Türler, Stadtrat und Vorsteher der Industriellen Betriebe der Stadt Zürich

4 Generationen Höngger Zunftmeister (P. Aisslinger, H.-P. Stutz, H.-H. Zweifel, F. Meier) mit den diesjährigen Ehrengästen


In seinen Sechseläutenbetrachtungen verglich Zunftmeister Stutz das erste Sechseläuten 1934 mit dem diesjährigen: Schon damals herrschte eine weltweite Wirtschaftskrise, und damals wie auch heute stellte sich jeder Zünfter die bange Frage, ob und wieweit es ihn wohl treffen könne oder ob er seinen Arbeitsplatz halten könne. Gehört es sich überhaupt, so fröhlich Feste zu feiern, wenn für manchen existentielle Probleme im Vordergrund stehen? Die Zunftgründung verstehe er als starkes Signal dafür, zusammen stehen zu wollen, eine Gemeinschaft zu bilden, aus welcher man vertrauensvoll Kraft schöpfen und auf seine Freunde bauen könne. Er sei – ohne die anstehenden Probleme bagatellisieren zu wollen – überzeugt, so Stutz weiter, dass diese positiven Kräfte entscheidend mithelfen könnten, auch in diesen schwierigen Zeiten das eigene Leben im Griff zu halten.

Rhetorisches Feuerwerk und Gratulationsbesuche

Hätte sich nicht Stubenmeister Daniel Fontolliets Stirn immer besorgter umwölkt und er schliesslich gestenreich auf sich aufmerksam gemacht, hätte der Zunftharst wohl den Aufbruch zum Umzug durchs Dorf verbummelt, so spannend, witzig und rhetorisch hochstehend waren nämlich die Rededuelle, welche sich der Höngger Zunftmeister mit seinen drei Ehrengästen lieferte. Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei das Gastgeschenk von Stadtrat Türler, eine Originalglocke eines Mirage-Trams, mit der „Stubi“ Fontolliet inskünftig anstelle seiner bisherigen Geissenschelle lautstark zur Ordnung rufen könne.

Es ist zünftiger Brauch, dass Kinderdelegationen anderer Zünfte bei besonderem Anlass während des Mittagessens auf der Stube einen Besuch abstatten und zum Ereignis gratulieren, und so wurde die Zunft Höngg gleich zweimal besucht: Eine Kinderdelegation der Zunft Schwamendingen überbrachte die herzlichsten Grüsse ihres Zunftmeisters Carlo Hächler und eine St.Niklaus-Delegation im Auftrag der Interjungzünftigen Vereinigung (IZV) diejenigen der vereinigten Jungzünfter/-innen aller Zürcher Zünfte. Doch davon nochmals später …

Umzug durch Höngg

Derweil hatte sich auf dem Platz vor dem Zunftlokal eine grosse Schar an Zuschauern versammelt und liess sich vom Zunftspiel des Musikvereins Zürich-Höngg mit gewohnt schmissig vorgetragenen Stücken die Wartezeit auf die nach und nach auftauchenden Zünfter verkürzen. Mitten unter ihnen auch viele freudig erregte Kinder, die am Wettbewerb der Zunft eine Teilnahme am Umzug gewonnen hatten.

Dann erschienen die Herren in ihren schmucken Gewändern. Viele wurden sogleich mit ersten Blumen und Küssen beschenkt. «Frohes Sechseläuten », ertönte es immer wieder.

Dann war bereits Eile geboten, denn zum ersten Mal seit drei Jahren startete die Zunft ihren Umzug bereits in Höngg. Erstaunlich viele Zuschauer säumten den Strassenrand und wünschten «ihrer» Zunft ein schönes Fest. Im «Schwert» bestieg die Zunft dann das einfahrende Extratram, dessen Platz auf wundersame Weise auch dieses Jahr minutiös bis zum letzten Sousaphon ausreichte.

Der Zug der Zünfte zum Böögg in der Innenstadt

Zum zweiten – und hoffentlich letzten Mal – führte der Zug der Zünfte unter Verzicht auf den geliebten Kontermarsch in der Bahnhofstrasse wieder vom Bürkliplatz via Münsterhof – – Bahnhofstrasse – Uraniabrücke – Limmatquai zum Sechseläutenplatz. Das freundliche Wetter und die unzähligen fröhlichen Zuschauer entlang der Umzugsroute machten dabei die Verärgerung über die ungeliebte Streckenführung mehr als wett.

Nach dem Umzug sorgte ein ungeplanter Zwischenhalt des «Räbhüüsli»-Wagens auf dem Heimweg nach Höngg für Aufsehen, verlor dieser doch auf der Zollbrücke beim Landesmuseum ein Rad. «Höngger»-Redaktor Fredy Haffner, bis zu diesen verhängnisvollen Ereignis Fahrgast auf dem Wagen, die hilfreiche Polizei sowie ein Abschleppwagen, die beide in der Kolonne hinter dem Wagen gestanden hatten, und herbeigerufene Höngger Zünfter sorgten dafür, dass der Wagen provisorisch repariert und zum nächsten Parkplatz gefahren werden konnte.

Auszug am Abend

Nach dem Nachtessen im «Au Premier» des Bahnhoffbuffets Zürich besuchte der Zunft-Auszug mit Spiel und Laternen die Zünfte zur Meisen (Höngger Sprecher: Andreas Vonrufs), Letzi (Rolf Gloor) und Wollishofen (Thomas Schönbächler), während der Höngger Zunftmeister Hans-Peter Stutz auf der eigenen Stube von Sprechern der Zünfte Wollishofen, Oberstrass und Wiedikon rhetorisch gefordert wurde.

Saupanner-Besuch nach Mitternacht

Die Jungzünfterdelegation (siehe oben) hatte am Mittag bereits angekündigt, dass um 01:30 Uhr ein Saupannerzug der Zunft Höngg einen Besuch abstatten werde. Und was für ein Besuch: Gegen hundert Jungzünfter und Jungzünfterinnen waren zugegen, als der Obmann der Interjungzünftigen Vereinigung (IZV), Philipp Würsch (Zunft Witikon), und der 2. IZV-Obmann Anthony Welbergen (Zunft zur Schneidern; Sohn des Höngger «Im Brühl»-Apothekers Gerald Welbergen) gemeinsam brillant und rotzfrech dem Höngger Zunftmeister einheizten und dieser ebenso gekonnt aus dem Stegreif konterte. Bier und Würstchen waren wohlweislich genügend bereitgestellt worden, um den Besuch gebührend zu honorieren.

Text Ueli Friedländer / Fotos M. Spalinger / Fredy Haffner, «Höngger», Montag, 20. April 2009

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